KOMIKI

Kochen mit Kindern auf Spanisch, Englisch und Französisch

Du darfst alles essen!

Aber nicht alles alleine aufessen!

In Maßen ist alles erlaubt. Denn die Natur hat den Tisch reich und farbenfroh gedeckt.

Das persönliche Maß ist für Jeden unterschiedlich.

Es ist dabei wichtig, auf seinen eigenen Magen und Hunger zu achten.

Wie kann ich mein persönliches Maß erkennen und antrainieren?

Texte in „Und so funktioniert’s im Alltag“ zeigen, wie man das erlernen kann.

ACHTUNG: Kinder brauchen mehr – Diäten sind tabu

Kinder brauchen trotzdem mehr Kalorien als Erwachsene. Das ist für das Gehirnwachstum wichtig. Doch wie viel ist die richtige Portion? „Wenn Sie Ihrem Kind eine breite Palette gesunder Speisen servieren sowie Gelegenheit zu regelmäßiger Bewegung verschaffen, können Sie darauf vertrauen, dass das Gehirn Ihres Kindes die Nahrungszufuhr korrekt steuert (Aamodt, Sandra, Wang, Samuel (2012). “Welcome to your Child’s Brain. Die Entwicklung des kindlichen Gehirns von der Zeugung bis zum Reifezeugnis.” S. 144).“

Hände als Maß

Der Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung (AID) empfiehlt die Hände als Maß zu nutzen. Und die sind ja bei Kindern kleiner. Dabei ist eine Hand voll meistens das Maß für eine Portion. Schöne Beispiele findet ihr hier:
http://www.aid.de/ernaehrung/ernaehrungspyramide_handmasse.php

Ernährungspyramide aus Portionsbausteinen (S. Mannhardt)

Schaut Euch die Portionsbausteine an, die der AID für den alltäglichen Wochentag vorschlägt: http://www.aid.de/ernaehrung/ernaehrungspyramide_portionsbausteine.php

Mein Tagesmaß ist immer unterschiedlich

Wir müssen nicht immer viel essen, nur weil gerade Essenszeit ist und alle Anderen essen. Wenn man zum Beispiel am Vortag auf einer Geburtstagsfeier war, auf der es viele tolle Leckereien gab, ist der Hunger am nächsten Morgen vielleicht noch gar nicht zurück. Auf diesen zu warten, lohnt sich! Zur Überbrückung lohnt sich ein Apfel und ein Fruchtsaft, bevor es gewohnt weiter schmeckt. Umso größer ist der Essensgenuss.

Auch langsames Essen und längeres Kauen bringt höheren Genuss. Eigentlich logisch, denn unsere Geschmacksnerven sind ja im Mund!

Gezügelter Genuss vermeidet Frust! Sei Dir dessen bewusst.

Wie kommen wir dahin, die Menge zu normalisieren?

- Ernährungstugenden (siehe oben) kennen
- Langsamkeit beim Kauen
- Schokoladenstückchen lutschen und im Mund zerschmelzen lassen
- intensives Schmecken
- Herausschmecken der einzelnen Zutaten, Zubereitungsgrade und Gewürze
- Gemüse als Hauptgang inszenieren
- 2 bis 3 Mal die Woche Fleisch oder Fisch
- Kochen mit tollen Gewürzen und Gemüsen
- Anregungen aus fremdsprachigen Küchen
- während des Hauptgangs immer noch Platz im Magen lassen für: 1 Pfirsich, Erdbeeren, 1 Chai-Tee
- 3 verschiedene Stück Schokolade teilen: mit dem Partner, der Schwester, dem Freund, der Mutti, …

… to be continued …

Bitte schreibt mir Eure Anregungen zum intensiven maßvollen Essen. Ich möchte Eure Ideen gern ausprobieren.

Ich bin neugierig!

antje@komiki.de

An werdende Muttis:

Während der Schwangerschaft an Geschmäcker gewöhnen

Im Buch von Aamodt, Sandra, Wang, Samuel (2012). “Welcome to your Child’s Brain. Die Entwicklung des kindlichen Gehirns von der Zeugung bis zum Reifezeugnis.” habe ich folgendes interessante Forschungsergebnis gelesen:

„Tatsächlich können die Vorlieben für bestimmte Speisen im eigenen Kulturkreis über die Muttermilch und sogar die Gebärmutter weitergegeben werden (143).“ Im letzten Schwangerschaftsdrittel können diese Toleranzen für verschiedene Geschmäcker beim Kind bereits gelegt werden. Bitterkeit steht ja in der Natur als Signal für giftige Pflanzen und Süße für kalorienhaltige, also überlebenswichtige, Substanzen (142). Süße ist deshalb so angenehm, da es diese früher hauptsächlich in Früchten gab und das natürlich nur sehr selten, zur Saison eben. In eben dieser Häufigkeit sollten wir unseren Süßkonsum daher einpegeln, und ihn als wertvolle seltene Belohnung betrachten.
So manche gesunde Lebensmittel haben Bitterstoffe (wie Brokoli) und viel zu viele süße Nahrungsmittel sind der Weg in die Adipositas. Es lohnt sich also das Ungeborene mit Geschmäckern, wie Brokoli, rote Beete, Apfelsine vertraut zu machen. Ansonsten können Sie Ihre Kinder erst später, vielleicht mit Lieblingsnahrungsmitteln vermischt, daran gewöhnen. Wang und Aamodt empfehlen auch unbeliebte Geschmacksrichtungen mit Milch vermischt oder püriert und mehrfach zu reichen, denn „der Geschmack von Säuglingen ist in den ersten Monaten außerordentlich formbar (139).“

Weitere Gedanken für die Eltern zum Vorleben:

Warum rede ich so viel von Maßen und Genießen oder der Langsamkeit beim Kauen?

Schon die Bezeichnung „Essen schaffen“ klingt doch irgendwie merkwürdig und nach einer Art Anstrengung oder Qual. Essen sollte heutzutage kein Wettkampf mehr sein. Dies war es vielleicht zu Kriegszeiten oder in der Steinzeit, als wir noch selber für unsere damals seltenen Nahrungsmittel kämpfen mussten.
XXL-Schnitzel und „all-you-can-eat“-Buffets zeigen, dass unsere Gesellschaft das Portionsvermögen pro Kopf verloren hat. Egoistische Standpunkte, die in „Fresswettkämpfen“ enden, ergötzen so manchen Zuschauer.

Unser Magen ist jedoch kein Mülleimer.

Gemeinsames Teilen und Recyceln sind dann wiederum Lösungen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.
Buffets kommen doch von den historischen königlichen Festtagstafeln und sollten daher auch als Luxus betrachtet werden. Aufmerksames, auswählendes Essen, Unterscheiden und Vergleichen der Speisen sind doch der eigentliche Mehrwert solcher Buffets. Demzufolge sollten wir unsere Buffet-Schlemmerstunden an besonderen Tagen wählen.

Der Geschmack

Warum essen wir gern? Natürlich, weil es schmeckt, auch weil es gut riecht, schön aussieht und sich gut anfühlt erst in der Hand und dann im Mund.
Wir haben 5 Geschmacksrichtungen im Mund:
salzig
süß
sauer
bitter
umami (herzhaft, nussig)

Schmecken wir denn gut oder wollen wir unsere Geschmäcker ein bisschen trainieren?

Kosten ist kostbar

Um bei einem Buffet von allem zu kosten, sollte das Wort KOSTEN wortwörtlich genommen werden. Beim Kosten nimmt man ja einen kleinen Happen von einer Speise, führt sie langsam in den Mund und richtet alle Sinne auf dieses Häppchen. Kosten ist ja auch verwandt mit kostbar. Und etwas das viel kostet, also sehr wertvoll ist, kommt normalerweise selten vor. Um lange davon zu Genießen, ist langsames und klein-portioniertes Essen der richtige Weg.
Mit dieser Strategie gelingt es vielleicht, bei einem normalen Familienfeierbuffet alle Genüsse auszuprobieren.

Du darfst alles essen, aber … es kann nicht einer alles haben!

Sonst entsteht Adipositas mit all seinen Folgeerkrankungen, wie Diabetes, Gelenkbeschwerden, Rückenbeschwerden, Depressionen, und und und. Auf der anderen Seite der Welt kommt es hingegen zu Unterernährung bis hin zum Verhungern.

Wir leben in einer Luxuswelt.

Diese erweckt den Anschein, dass alles jederzeit und in jeder gewünschten Menge zur Verfügung steht.

Doch,
wo kommt das alles her?
und was ist der Preis dafür?
wie wertvoll ist mein Essen, wenn so viel und so oft davon gibt?
und wie lange wird das so sein?

Es ist Zeit zum Umdenken beziehungsweise Umfühlen:

Gemeinsam Kochen, Teilen und Genießen macht viel mehr Spaß.
Die kleinen Köche können sich über gemeinsam-entdeckte Sinnes-Erfahrungen austauschen.
Kinder der heutigen Überfluss- und Allgegenwartsgesellschaft lernen wieder, sich auf etwas zu freuen, indem sie bestimmten Nahrungsmitteln zeitlich und mengenmäßig seinen richtigen Platz zuweisen.

Hunger und Adipositas

Ein wunderbares und schmerzhaft wahres Bild für solch eine Kampagne ist ein Foto von Oliviero Toscani: hier stehen sich Paradoxien gegenüber – ein adipöser Mensch und ein fast-verhungerter Mensch! Ich möchte dieses Bild, welches eigentlich einen Aids-Kranken zeigt, daher für meine Zwecke umdeuten. Toscani machte das Bild für United Colours of Benetton.

Vergesst die Zahlen

Häufigeres Wiegen ist ein Fehler bei der Ernährung. Es geht schließlich darum, sich umzugewöhnen und zu erlernen, wirksame Strategien für das eigene Essverhalten zu gewinnen. Man kann sich nicht ein Leben lang mit einer Zahlenmaschine kontrollieren. Das macht verrückt, verdirbt den Spaß am Leben und kann zu gefährlichen Krankheiten führen.

Mit den Ernährungstugenden im Leben ist eine gesunde Ernährung möglich.

Hintergrund: Jeder Mensch besitzt einen anderen Knochenbau und die Fähigkeit sein Gewicht schneller oder langsamer zu verändern. Hält man sich nun an vorgegebene Idealzahlen oder vollführt komplizierte Berechnungen, dann schreitet man mit großen Schritten in einen Teufelskreislauf der Abhängigkeit von Zahlen hinein.